Teil 6 von 8Serie Salesforce Manufacturing Cloud für Hersteller
Garantieansprüche von Händlern in Salesforce prüfen
Ob ein Garantieanspruch eines Händlers in Salesforce sauber geprüft werden kann, entscheiden die Daten der Anlage: Seriennummer, Kauf- oder Installationsdatum und Nutzung. Die Manufacturing Cloud bildet Garantiebedingungen, die Garantie jeder Anlage, die Ansprüche der Händler und den Regress beim Lieferanten in einem Datenmodell ab. Das lohnt sich, wenn Händler und Servicepartner regelmäßig Garantieansprüche einreichen und die Prüfung heute viel Handarbeit kostet. Fehlen die Anlagendaten, kann weder ein Mensch noch ein Agent verlässlich prüfen.
Wie Teil 4 und 5 schreibe ich diesen Teil als Leitfaden für die Bewertung, nicht als Projektbericht. Die Garantie behandle ich als kaufmännischen Prozess, den Einsatz vor Ort deckt die Field-Service-Serie ab.
Eine Garantie hat drei Ebenen
Laut Trailhead1 gilt:
- Warranty Term, die Garantiebedingung. Sie enthält Art, Dauer und Beginn der Garantie, die Deckung für Arbeit, Teile und Nebenkosten in Prozent, die abgedeckte Nutzung und Ausschlüsse. Eine Bedingung kann eine ganze Produktfamilie, ein Produkt oder einzelne Anlagen abdecken.
- Warranty Term Coverage, die Anpassung pro Teil. Damit wird eine Bedingung für ein bestimmtes Teil erweitert oder eingeschränkt. Trailhead nennt als Beispiel einen Gabelstapler, bei dem der Motor zusätzlich gedeckt und der Hubmast ausgeschlossen ist.
- Asset Warranty, die Garantie der einzelnen Anlage. Sie wird beim Kauf oder bei der Installation zugeordnet. Für eine einzelne Anlage lässt sich die Deckung erweitern oder einschränken, etwa als Kulanz.
Für Hersteller mit vielen Varianten ist die mittlere Ebene der eigentliche Nutzen. Statt für jede Kombination eine eigene Bedingung zu pflegen, gibt es eine Grundbedingung pro Familie und Ausnahmen pro Teil. Wer heute Garantiebedingungen in Tabellen oder Verträgen sucht, sollte diese Struktur zuerst auf Papier nachbauen. Dabei zeigt sich schnell, ob die eigenen Regeln in drei Ebenen passen.
Wie läuft ein Garantieanspruch vom Händler bis zur Gutschrift?
Laut Trailhead2 reicht der Partner den Anspruch über ein Partnerportal auf Experience Cloud ein. Kommt er per E-Mail, Telefon oder Web, legt ein Sachbearbeiter ihn an. Der Anspruch besteht aus mehreren Objekten:
| Objekt | Was darin steht |
|---|---|
| Claim | Nummer, Account, Schwere, Art und Grund des Anspruchs |
| Claim Item | Betroffene Anlage, Fehler- und Reparaturdatum, Nutzung der Anlage |
| Claim Coverage | Verursachendes Teil und Fehlercode, verknüpft mit der Garantie der Anlage |
| Claim Coverage Payment Detail | Kosten pro Posten, etwa Teile, Arbeit oder Transport |
| Claim Participant | Beteiligte und ihre Rollen |
Der Partner trägt pro Posten den geforderten Betrag ein und setzt den Anspruch auf eingereicht. Der Prüfer trägt den genehmigten Betrag ein. Auf der Produktseite3 nennt Salesforce außerdem automatische Freigaben über Geschäftsregeln. Laut Produktseite4 kommt mit Winter ’27 der Warranty Claims Adjudication Agent dazu, der die Deckung prüft und mögliche Betrugsfälle markiert, und eine geführte Rücksendung von Garantieteilen für Händler.
Die Gutschrift an den Händler würde ich wie bei den Boni in Teil 5 im ERP buchen. Salesforce prüft und gibt frei, eine Schnittstelle überträgt den genehmigten Betrag, und die Finanzabteilung bucht. Diese Schnittstelle gehört von Anfang an in die Planung, sonst sieht der Händler einen genehmigten Anspruch im Portal und wartet trotzdem auf sein Geld.
Jede Prüfung ist eine Frage an die Anlage
Ist diese Seriennummer noch in der Garantie? Seit wann läuft sie, ab Kauf oder ab Installation? Liegt die Nutzung unter dem Grenzwert? Ist das defekte Teil gedeckt?
Diese Fragen beantwortet die Asset Warranty nur, wenn die Anlage mit ihren Daten in Salesforce steht. Bei vielen Herstellern ist genau das die Lücke:
- Verkauf über Händler. Der Hersteller liefert an den Händler, der Händler verkauft an den Endkunden. Ob und wann die Anlage installiert wurde, weiß nur der Händler. Ohne Registrierung beim Verkauf fehlt das Startdatum der Garantie.
- Installierte Basis im ERP. Seriennummern stehen im ERP oder in der Fertigung, aber nicht als Anlagen in Salesforce. Dann braucht es eine Schnittstelle, bevor der erste Anspruch geprüft werden kann. Wie die installierte Basis nach Salesforce kommt, steht in Installierte Basis in Manufacturing Cloud.
- Nutzung. Betriebsstunden oder Zyklen kommen von der Anlage selbst, vom Händler oder gar nicht. Ist die Nutzung Teil der Bedingung, braucht sie eine Quelle.
Für den Agenten aus Winter ’27 gilt das noch stärker. Ein Agent, der Deckung prüft, liest dieselben Felder wie ein Mensch, nur schneller und ohne nachzufragen. Fehlen die Daten, bewertet er auf Lücken. Warum ich bei Agenten zuerst auf die Datenqualität schaue, beschreibe ich in Agentforce: Business Value und Datenqualität zuerst.
Laut der Übersicht der Portallizenzen, die ich in Teil 7 beschreibe, deckt die Kundenlizenz Customer Community Plus for Manufacturing Anlagen und Garantien ab, Garantieansprüche nennt Salesforce bei der Partnerlizenz. Für Händler, die Ansprüche einreichen, plant man also Partnerlizenzen ein.
Was ist Supplier Recovery?
Der Regress beim Lieferanten. Geht ein Garantiefall auf ein zugekauftes Teil zurück, holt sich der Hersteller die Kosten vom Lieferanten zurück. Laut Salesforce-Hilfe5 erzeugt eine Aktion am Garantieanspruch pro verursachendem Teil einen Regressanspruch als Entwurf. Er wird geprüft und an den Lieferanten eingereicht.
Damit das funktioniert, muss das verursachende Teil im Anspruch sauber erfasst sein, mit Fehlercode und Zuordnung zum Lieferanten. Das ist der Teil des Prozesses, den Händler am wenigsten interessiert, weil er ihnen nichts bringt. Ein Pflichtfeld im Portal und eine Prüfung durch den Sachbearbeiter sind deshalb mehr wert als eine spätere Auswertung.
Wo endet die Garantie, wo beginnt Field Service?
An der Tür des Kunden. Die Manufacturing Cloud klärt, ob ein Schaden gedeckt ist, wer welchen Betrag bekommt und wer am Ende zahlt. Wer wann mit welchem Ersatzteil zum Kunden fährt, ist eine Frage für Field Service. Dasselbe gilt für Wartungsverträge und zugesagte Reaktionszeiten, die in Salesforce über Service-Verträge und Entitlements laufen. Wie das aussieht, beschreibt Teil 5 der Field-Service-Serie.
Beide Themen treffen sich an der Anlage. Dieselbe Anlage trägt die Garantie, die Wartungshistorie und die Arbeitsaufträge. Wer beides einführt, sollte das Anlagenmodell einmal entwerfen, nicht pro Projekt. Wo die Grenze im Detail verläuft, steht in Kapitel 4 der Masterclass Manufacturing Cloud. Ob sich Field Service lohnt, beschreibt die Field-Service-Serie.
Wann lohnt sich die Garantieabwicklung in Salesforce?
Ich würde sie empfehlen, wenn mehrere der Punkte auf der Pro-Seite zutreffen:
Salesforce lohnt sich, wenn
- Händler und Servicepartner regelmäßig Ansprüche einreichen, heute per E-Mail oder Formular
- die Bedingungen vielfältig sind: mehrere Produktfamilien, Teile mit eigenen Regeln, Kulanz für einzelne Anlagen
- ein relevanter Teil der Garantiekosten auf zugekaufte Teile zurückgeht
- Seriennummern und Startdaten in Salesforce liegen oder per Schnittstelle kommen können
Zurückhaltend wäre ich, wenn
- es wenige Garantiefälle im Jahr gibt, die eine Qualitätsabteilung im ERP gut bearbeitet
- die Anlagendaten fehlen und niemand sie beschaffen will
Im zweiten Fall bringt das Datenmodell wenig. Ob sich die Manufacturing Cloud insgesamt lohnt, behandelt Teil 1 der Serie.
Anlagendaten finden und nach Salesforce holen
Bevor die erste Garantiebedingung angelegt wird, klären Sie diese Punkte:
- Anlagendaten. Wo stehen Seriennummer, Kauf- oder Installationsdatum und Nutzung, und wie kommen sie nach Salesforce?
- Bedingungen. Lassen sich die eigenen Regeln in Grundbedingung, Ausnahmen pro Teil und Anpassung pro Anlage abbilden?
- Einreichung. Welche Felder füllt der Händler im Portal, und welche sind Pflicht, auch für den Regress?
- Gutschrift. Wie kommt der genehmigte Betrag ins ERP, und wann sieht der Händler, dass gezahlt wurde?
Für Punkt 1 nehme ich die Garantieanträge eines Quartals und prüfe, bei wie vielen Seriennummer, Startdatum und Nutzung vorhanden sind. Diese Quote entscheidet, ob das Projekt mit den Bedingungen oder mit den Anlagendaten beginnt.
Quellen5
- 1Trailhead (öffnet in einem neuen Tab)trailhead.salesforce.com
- 2Trailhead (öffnet in einem neuen Tab)trailhead.salesforce.com
- 3Produktseite (öffnet in einem neuen Tab)salesforce.com
- 4Produktseite (öffnet in einem neuen Tab)salesforce.com
- 5Salesforce-Hilfe (öffnet in einem neuen Tab)help.salesforce.com
Häufig gestellte Fragen
Wie reichen Händler Garantieansprüche in Salesforce ein?
Über ein Partnerportal auf Experience Cloud. Laut Trailhead legen Partner den Anspruch mit der betroffenen Anlage, Fehler- und Reparaturdatum und den Kosten für Teile, Arbeit und Transport an und setzen ihn auf eingereicht. Ansprüche per E-Mail oder Telefon kann ein Sachbearbeiter erfassen.
Was ist ein Supplier Recovery Claim?
Ein Regressanspruch an den Lieferanten, wenn ein Garantiefall auf ein zugekauftes Teil zurückgeht. Salesforce erzeugt aus einem Garantieanspruch pro verursachendem Teil einen Entwurf, der an den Lieferanten eingereicht wird.
Kann ein Agent Garantieansprüche prüfen?
Laut Salesforce prüft der Warranty Claims Adjudication Agent ab Winter '27 die Deckung und markiert mögliche Betrugsfälle. Er ist auf vollständige Anlagen- und Garantiedaten angewiesen.