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Ersatzteile per Seriennummer: Kann ein KI-Agent das?

Ein KI-Agent kann das richtige Ersatzteil zu einer Seriennummer finden, aber nur, wenn eines Ihrer Systeme diese Frage schon heute nach Regeln beantwortet: Welche Teile stecken in genau dieser Maschine? Für Ersatzteile per Seriennummer braucht der Agent die As-built-Stückliste aus dem PLM, Material, Verfügbarkeit und Preis aus dem ERP und die installierte Basis aus Salesforce. Er versteht die Frage, grenzt auf eine Baugruppe ein und bereitet das Ergebnis auf. Eine Teilenummer wählt er nie selbst. Siemens hat dieses Muster mit Teamcenter im September 2026 angekündigt, als Plan.

Was hat Siemens angekündigt, und was läuft schon?

Das sichtbarste öffentliche Beispiel ist die Meldung von Siemens und Salesforce vom 15. September 20261. Agentforce soll dort mit Teamcenter Service Lifecycle Management zusammenkommen. Ein Servicetechniker kann laut Meldung die passenden Ersatzteile für eine bestimmte Seriennummer vor dem ersten Einsatz beim Kunden ermitteln, und ein Kunde findet und bestellt das richtige Teil, ohne auf einen Ingenieur zu warten oder eine Hotline anzurufen. Roland Busch, President und CEO der Siemens AG, spricht von einem „virtual engineer“ für Servicetechniker und Vertrieb.

Achten Sie auf die Zeitform. Dieselbe Meldung sagt, Teamcenter „will work with Agentforce“. Was Siemens als laufend und mit Zahlen meldet, ist die Bearbeitung eingehender Leads: 100 Prozent der Leads aus 132 Ländern werden angesprochen. Der Ersatzteilfall ist also ein angekündigtes Muster eines Unternehmens, das selbst PLM-Software verkauft, und die Meldung nennt dafür keine Ergebnisse. Die Bausteine stimmen trotzdem: Konstruktionsdaten je Seriennummer, ein CRM mit der installierten Basis und dazwischen ein Agent.

Welche Daten braucht der Agent für Ersatzteile per Seriennummer?

Die Frage „Welche Dichtung passt in diese Maschine?“ berührt drei Systeme:

Frage Führendes System Daten
Welche Maschine ist es? Salesforce Asset mit Seriennummer, Kunde, Standort, Maschinentyp, über- und untergeordnete Assets
Was wurde verbaut? PLM As-built-Stückliste je Seriennummer, Ersatzteilkennzeichen, Änderungsstände
Was hat sich seit Auslieferung geändert? Salesforce Field Service Arbeitsaufträge mit verbrauchten Teilen, Umbauten, getauschte Baugruppen
Ist das Teil lieferbar, zu welchem Preis? ERP (SAP, proALPHA) Materialnummer, Nachfolgematerial, Vertriebsstatus, Verfügbarkeit, Kunden- oder Händlerpreis

Eine As-built-Stückliste ist die Stückliste einer ausgelieferten Maschine mit den tatsächlich verbauten Varianten und Ständen. Die Konstruktionsstückliste beschreibt den Maschinentyp. Bei einer Sondermaschine mit Optionen können beide genau an der Position abweichen, nach der der Techniker fragt.

Auf der Salesforce-Seite beschreibt Trailhead2 ein Asset als konkret gekauftes oder installiertes Produkt. Asset-Hierarchien bilden zusammengehörige Assets ab, etwa die Komponenten einer Maschine, über das Feld Parent Asset. Arbeitsaufträge lassen sich mit Assets verknüpfen. Das ist der Anker: Die Seriennummer am Asset ist der Schlüssel, den der Agent an PLM und ERP übergibt. Wie Assets überhaupt nach Salesforce kommen, steht in Stammdaten für Field Service.

Die Zeile, die ich zuerst prüfen würde, ist die dritte. Die As-built-Stückliste zeigt die Maschine am Tag der Auslieferung. Fünf Jahre später sind zwei Pumpen getauscht, und ein Händler hat einen Nachrüstsatz eingebaut. Stehen diese Änderungen nur in Papierberichten, beschreiben PLM und Salesforce eine Maschine, die es so nicht mehr gibt. Den aktuellen Stand liefern die verbrauchten Teile auf abgeschlossenen Arbeitsaufträgen. Ein Grund mehr, sie in der App zu erfassen, wie in Ersatzteile zwischen ERP und Field Service beschrieben.

Die Stückliste bleibt im PLM und wird live abgefragt

Vollständige Kopie. Jede As-built-Position wird ein untergeordnetes Asset. Alles ist offline verfügbar. Der Preis ist die Menge: Jede Position jeder Maschine ist ein Datensatz, der geladen, mit dem PLM abgeglichen und teilweise auf das mobile Gerät gebracht werden muss.

Live-Abfrage. Das PLM oder eine Middleware bietet eine API wie „ersatzteilrelevante Positionen für Seriennummer X und Baugruppe Y“. Der Salesforce Developers Blog3 beschreibt den Weg über MuleSoft: Topics und Aktionen in Topic Center festlegen, die API in Exchange veröffentlichen und mit dem API Catalog synchronisieren. Named Credentials und External Services legt Salesforce dann automatisch an. Der Agent ruft die API als Aktion auf, Flow und Apex können dieselbe API nutzen. PLM oder SAP nennt der Blog nicht; Agentforce und SAP wendet dasselbe Muster auf den Auftragsstatus an.

Meine Empfehlung: nach Nutzung trennen. Salesforce hält die Maschine und ihre servicerelevanten Hauptbaugruppen als Asset-Hierarchie, die Garantie, Wartungsverträge und Händlerportal ohnehin brauchen. Die vollständige Stückliste bleibt im PLM und kommt live. Für den Hallenkeller ohne Netz läuft der Agent vor dem Einsatz und schreibt seinen Vorschlag als Products Required, also benötigte Teile, in den Arbeitsauftrag. Der Techniker hat die Liste dann offline.

SalesforceERPangrenzender Prozess

Hat Ihr PLM keine API oder keine As-built-Daten je Seriennummer, kann der Agent nichts abfragen; Optionen für ältere Systeme stehen in altes ERP ohne API.

Was darf der Agent entscheiden, und was nicht?

Die Zuordnung von Seriennummer zu Teilenummer hat genau eine richtige Antwort, deshalb gehört sie in die API. Der Agent liefert seinen Beitrag rund um diese Antwort:

  • Die Frage verstehen. „Die Zuführpumpe links an Linie 2 ist undicht“ muss zu genau einer Baugruppe in der Hierarchie werden. Passen zwei, fragt der Agent nach, statt zu wählen.
  • Kontext lesen. Fehlercode, letzte Arbeitsaufträge und ein Foto grenzen ein. Salesforce beschreibt in der Ankündigung zur Fehlersuche in Field Service4 bereits einen Agenten, der Fotos des Technikers auswertet.
  • Das Ergebnis aufbereiten. Teilenummern, Mengen und Verfügbarkeit als kurze Liste, dazu ein Vorschlag für die benötigten Teile am Arbeitsauftrag, den ein Mensch bestätigt.

Regelbasiert bleiben: die Teileliste selbst, Nachfolgematerialien (aufgelöst in ERP oder PLM, nie aus ähnlichen Bezeichnungen geraten), Preise und jede Bestellung. Liefert die API nichts, sagt der Agent das und übergibt an die Ersatzteilabteilung. Wie man solche Schranken durchsetzt, beschreibt Agent Script: Regeln statt LLM.

Techniker oder Händler?

Der Techniker im Außendienst ist der leichtere Start: interner Benutzer, bekannte Maschine, Arbeitsauftrag als Kontext. Ein Händler im Portal braucht strengere Regeln:

  • Seriennummern nur aus eigenen Assets. Der Agent übernimmt die Seriennummer aus Assets, die für den Händler-Account freigegeben sind, nie aus Freitext. Sonst liest ein Händler die Konfiguration einer Maschine, die ein anderer verkauft hat. Ein Ersatzteilshop kann dieselbe Regel nutzen, siehe nur Teile zur eigenen Maschine zeigen.
  • Händlerpreise und Verfügbarkeit aus dem ERP. Zeigen Sie, ob und wann ein Teil lieferbar ist, wie im SAP-Beitrag, und behalten Sie Lagerbestände intern.
  • Nur ersatzteilrelevante Positionen. Die vollständige As-built-Struktur ist Konstruktionswissen und gehört nicht in einen Händlerchat.
  • Freitext ist nicht vertrauenswürdig. Portalfelder sind Einfallstore für manipulierte Anweisungen, siehe Prompt Injection über das Händlerportal.

Mit welcher Portallizenz Händler Assets überhaupt sehen, steht im Beitrag zum Manufacturing-Cloud-Kundenportal.

Rechenbeispiel: 6.000 Maschinen und eine Dichtung

Nehmen wir einen Maschinenbauer mit 6.000 installierten Maschinen, 40 Technikern, 150 Händlern, SAP und einem PLM mit As-built-Stücklisten je Seriennummer für Maschinen, die seit 2016 ausgeliefert wurden. Alle Zahlen sind Annahmen.

Angenommen sind 400 ersatzteilrelevante Positionen je Maschine. Eine vollständige Kopie wären 2,4 Millionen untergeordnete Assets. Der getrennte Ansatz hält Maschine plus rund 15 Hauptbaugruppen in Salesforce: 96.000 Assets, ein Fünfundzwanzigstel der Kopie.

Angenommen sind 1.500 Ersatzteilfragen im Monat mit je drei Aktionen: Asset finden, Teile der Baugruppe aus dem PLM holen, Verfügbarkeit und Preis aus SAP abfragen. Laut Flex Credits Rate Card5 kostet eine Aktion in Produktion 20 Credits, eine Frage also 60 Credits, im Monat 90.000. Beim Listenpreis von 500 € je 100.000 Credits6 sind das rund 0,30 € je Frage und etwa 450 € im Monat für die Aktionen. Die einmalige Arbeit an Schnittstelle und PLM kostet ein Vielfaches; das Abrechnungsmodell erklärt Flex Credits: Kosten pro Aktion.

Im Szenario bringt ein Pilot mit zehn Technikern zwei Erkenntnisse. Für Maschinen vor 2016 hat das PLM nur die Typstückliste, der Agent kann Kandidaten nennen, aber die Variante nicht bestätigen; das muss er sagen, und die Ersatzteilabteilung entscheidet. Und bei 9 Prozent der geprüften Maschinen zeigen verbrauchte Teile eine durch einen Nachfolger getauschte Baugruppe, die in der Asset-Hierarchie fehlt. Beides sind Datenprobleme. Die Entscheidung im Szenario: nur Techniker, nur Maschinen ab 2016, und ein monatlicher Job, der Hauptbaugruppen aus verbrauchten Teilen nachzieht.

20 Ersatzteilbestellungen von Hand prüfen

  1. 01

    Zuerst von Hand testen

    Nehmen Sie 20 aktuelle Ersatzteilbestellungen aus dem Service und prüfen Sie, ob Seriennummer, Asset und As-built-Stückliste zum tatsächlich bestellten Teil führen.

  2. 02

    Seriennummer als Schlüssel vereinbaren

    Gleiches Format auf dem Typenschild, im ERP, im PLM und in Salesforce, inklusive führender Nullen und Werkspräfixe.

  3. 03

    API vor dem Agenten bauen

    Geben Sie der Ersatzteilabteilung zuerst eine Maske darauf. Hilft sie Menschen nicht, hilft auch kein Agent.

  4. 04

    Mit Technikern starten

    Nehmen Sie Händler erst mit den Portalregeln von oben dazu.

Welches System welche Daten führt, ist Thema der Salesforce-Schnittstellen. Das größere Bild zu Agenten in der Fertigung zeigt das Masterclass-Kapitel KI-Agenten in der Fertigung.

Quellen6
  1. 1Meldung von Siemens und Salesforce vom 15. September 2026 (öffnet in einem neuen Tab)investor.salesforce.com
  2. 2Trailhead (öffnet in einem neuen Tab)trailhead.salesforce.com
  3. 3Salesforce Developers Blog (öffnet in einem neuen Tab)developer.salesforce.com
  4. 4Ankündigung zur Fehlersuche in Field Service (öffnet in einem neuen Tab)salesforce.com
  5. 5Flex Credits Rate Card (öffnet in einem neuen Tab)salesforce.com
  6. 6Listenpreis von 500 € je 100.000 Credits (öffnet in einem neuen Tab)salesforce.com

Häufig gestellte Fragen

Kann Agentforce Ersatzteile anhand der Seriennummer ermitteln?

Ja, über eine Aktion, die eine API aufruft und die verbauten Teile zu dieser Seriennummer liefert, meist aus dem PLM und ergänzt um ERP-Daten. Einen fertigen Salesforce-Agenten dafür habe ich in den geprüften Quellen nicht gefunden; Siemens hat das Muster mit Teamcenter als Plan angekündigt.

Was ist eine As-built-Stückliste?

Die Stückliste einer konkreten ausgelieferten Maschine mit den tatsächlich verbauten Varianten und Ständen. Die Konstruktionsstückliste beschreibt den Maschinentyp; für Ersatzteile zählt die As-built-Stückliste je Seriennummer.

Sollte die komplette Stückliste als Assets nach Salesforce kopiert werden?

Meist nicht. Hunderte Positionen je Maschine mal Tausende Maschinen ergeben Millionen Datensätze, die geladen und aktuell gehalten werden müssen. Ich würde Maschine und servicerelevante Hauptbaugruppen in Salesforce halten und den Rest live abfragen.

Was kostet eine Ersatzteilabfrage in Flex Credits?

Eine Agentforce-Aktion kostet 20 Flex Credits, beim Listenpreis von 500 € je 100.000 Credits also 0,10 €. Eine Abfrage mit drei Aktionen liegt bei rund 0,30 €, ohne die einmalige Arbeit an Schnittstelle und PLM.

Können Händler denselben Agenten im Portal nutzen?

Ja, mit strengeren Regeln: nur Seriennummern des eigenen Accounts, Händlerpreise aus dem ERP, Verfügbarkeit statt Lagerbestand und nur ersatzteilrelevante Positionen statt der ganzen Konstruktionsstruktur.

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