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Kapitel 02 von 5Masterclass Change Management mit Juliane Winterscheid

Sponsor und Kommunikation in der Salesforce-Einführung

Bewusstsein und Bereitschaft, die ersten beiden Stufen im ADKAR-Modell, entstehen in einer Salesforce-Einführung durch die eigene Führung und nicht durch das Projektteam. Dafür braucht es zwei Werkzeuge. Ein Sponsor-Plan legt fest, was das Management wann sichtbar tut: erklären, entscheiden und nach der Nutzung fragen. Ein Einführungsplan je Release legt fest, welche Gruppe was erfährt, von wem und wann, bevor die Entwicklung fertig ist. Dazu kommen Release Notes in Alltagssprache, ein fester Rückweg für Rückmeldungen und, in Deutschland, ein früher Termin mit dem Betriebsrat.

Warum entscheidet der Sponsor über die Einführung?

In der Prosci-Studie Best Practices in Change Management (öffnet in einem neuen Tab) nannten die Teilnehmenden aktives und sichtbares Sponsoring als wichtigsten Erfolgsfaktor. In Salesforce-Programmen fehlt genau das am häufigsten. Ein Sponsor ist eine Person aus dem Management, die sichtbar hinter der Einführung steht. Sie sitzt nicht nur im Lenkungsausschuss, sie tritt vor die betroffenen Teams.

Wirksam wird ein Sponsor so:

Ein wirksamer Sponsor

  1. ErklärenIm eigenen Bereich
  2. EntscheidenBei Konflikten
  3. NachfragenIm Monatsbericht

Festgehalten im Sponsor-Plan

Erklären
Im Vertriebsmeeting sagt der Vertriebsleiter, warum Prognosen künftig aus Salesforce kommen. Dieselbe Botschaft vom Projektteam hat weniger Gewicht.
Entscheiden
Wenn Innendienst und Absatzplanung sich über ein Pflichtfeld nicht einigen, fällt die Entscheidung bei ihm und nicht im Sprint.
Nachfragen
Er fragt nach der Nutzung seiner Teams. Damit merken die Teams, dass es zählt.

Ich schreibe deshalb einen Sponsor-Plan: eine kurze Liste mit Terminen, an denen der Sponsor auftritt, Entscheidungen, die bei ihm liegen, und den Zahlen, die er monatlich bekommt. Ohne diesen Plan wird aus „das Management steht dahinter“ eine Zeile auf der ersten Folie.

Der Einführungsplan hat eine Zeile pro betroffener Gruppe

Mit einem sauberen Release-Prozess werden Releases kleiner und häufiger. Für Fachbereiche heißt das: öfter kleine Änderungen statt einmal im Quartal ein großes Paket. Wer nicht weiß, dass sich etwas geändert hat, hält die Änderung für einen Fehler. Der Einführungsplan verhindert das. Er hat eine Zeile pro betroffener Gruppe und wird mit dem Release-Plan zusammen gepflegt:

Gruppe Was ändert sich Wer informiert Wann
Innendienst Deutschland neues Pflichtfeld Liefertermin im Angebot Teamleitung, Key User zwei Wochen vorher
Außendienst Service neues Formular für das Wartungsprotokoll in der App Ansprechpartner der Region vor dem nächsten App-Update
Vertrieb alle Länder keine sichtbare Änderung niemand nicht nötig

Die letzte Zeile ist ernst gemeint. Wer jede Woche Release-Mails bekommt, die ihn nicht betreffen, liest auch die eine nicht, die ihn betrifft. Wie Repository, Pipeline und Freigaben dahinter organisiert sind, steht im DevOps-Kapitel Release-Prozess: Eigentum, Rollen und Freigaben.

Wie sehen Release Notes für Anwender aus?

Technische Release Notes listen User Stories, Felder und Flows. Für den Fachbereich sind sie nutzlos. Release Notes für Anwender beantworten fünf Fragen:

  • Was ändert sich für mich? Getrennt nach Gruppen, mit einem Bildschirmfoto, wenn sich die Oberfläche ändert.
  • Warum? Ein Satz, zum Beispiel: Der Liefertermin wird Pflicht, weil die Absatzplanung ihn braucht.
  • Ab wann? Datum des Releases.
  • Was bleibt gleich? Das nimmt viel Unsicherheit und wird fast immer vergessen.
  • Wen frage ich? Den Key User des Teams, mit Namen.

Mehr als eine halbe Seite pro Gruppe ist zu viel. Bei Gesellschaften in mehreren Ländern kommen die Release Notes in der Landessprache. Ein guter Test: Ein Key User liest sie ohne Erklärung und versteht sie. Den ganzen Ablauf mit Beispielen beschreibe ich in Salesforce-Releases an den Fachbereich kommunizieren.

  1. 01

    Planung

    wenn der Umfang feststeht · Product Owner mit Fachbereich

    Einführungsplan je Gruppe anlegen, umstrittene Zeilen markieren und mit dem Sponsor besprechen.

  2. 02

    Vor dem Abnahmetest

    etwa zwei Wochen vorher · Key User

    Key User sehen die Änderung, testen sie und bereiten die Fragen ihres Teams vor.

  3. 03

    Kurz vor dem Release

    wenige Tage vorher · Teamleitung, Key User

    Release Notes für Anwender gehen an die betroffenen Gruppen, in Landessprache.

  4. 04

    Nach dem Release

    erste Woche · Key User, Projektteam

    Fragen sammeln, Nutzung prüfen, Rückmeldungen in den Backlog übernehmen.

Umstrittene Änderungen erklärt der Sponsor vor dem Abnahmetest

Manche Änderungen gefallen nicht allen. Ein neues Pflichtfeld macht dem Innendienst Arbeit und hilft der Absatzplanung. Solche Änderungen sollten nicht über die Release Notes zum ersten Mal bekannt werden. Im Einführungsplan markiere ich diese Zeilen, und der Sponsor erklärt vor dem Abnahmetest, warum die Änderung kommt. Hier entscheidet sich Desire: Wer den Grund kennt und weiß, dass die eigene Führung ihn trägt, füllt das Feld. Wer ihn nicht kennt, füllt es mit einem Punkt.

Genauso wichtig ist der Rückweg. Ich richte einen festen Ort für Rückmeldungen ein, trenne Fehler von Wünschen und sorge dafür, dass jede Rückmeldung eine sichtbare Antwort bekommt, auch wenn sie nein lautet. Ein Fachbereich, der erlebt, dass seine Rückmeldung im nächsten Release umgesetzt ist, liest auch die nächsten Release Notes.

Wann kommt der Betriebsrat dazu?

In Deutschland hat der Betriebsrat nach § 87 BetrVG (öffnet in einem neuen Tab) ein Mitbestimmungsrecht bei technischen Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung überwachen können. Salesforce berührt das an mehreren Stellen: Standortdaten der Field Service App, Stundenzettel, Auswertungen über einzelne Personen und KI-Werkzeuge. Für Change Management zählt neben der Rechtsfrage die Offenheit. Ein Techniker, der vom Betriebsrat erfährt, dass sein Standort nur während der Anfahrt übertragen wird, reagiert anders als einer, der es auf einer Karte im Büro entdeckt.

Für KI-Werkzeuge in der Entwicklung gilt dasselbe, siehe KI-Coding: Betriebsrat und DSGVO. Wie Techniker die App annehmen, behandelt Kapitel 3.

Einführungsplan für das nächste Release schreiben

Schreiben Sie für das nächste Release einen Einführungsplan mit einer Zeile pro betroffener Gruppe und markieren Sie die umstrittenen Zeilen. Gehen Sie mit dieser Liste zum Sponsor und vereinbaren Sie, wann er welche Änderung erklärt. Wenn kein Sponsor zu finden ist, ist das die wichtigste Erkenntnis des Plans. Die Diagnose dahinter steht in Kapitel 1, meine Arbeit dazu auf der Seite Change Management für Salesforce-Programme.

Häufig gestellte Fragen

Was macht ein Sponsor in einer Salesforce-Einführung?

Er steht sichtbar hinter der Einführung: Er erklärt im eigenen Bereich, warum sich etwas ändert, entscheidet, wenn zwei Bereiche sich nicht einigen, und fragt im Monatsbericht nach der Nutzung. Ohne diese drei Dinge bleibt eine neue Regel eine Empfehlung.

Wann sollten Fachbereiche von einem Release erfahren?

Key User etwa zwei Wochen vorher, wenn sie die Änderung im Abnahmetest sehen, die betroffenen Gruppen wenige Tage vorher mit Release Notes in Alltagssprache. Umstrittene Änderungen erklärt der Sponsor, bevor die Release Notes kommen.

Muss jede Gruppe über jedes Release informiert werden?

Nein. Gruppen ohne sichtbare Änderung bekommen keine Mail. Wer jede Woche Release-Mails liest, die ihn nicht betreffen, überliest die eine, die ihn betrifft.

Kontakt

Eine Einführung steht an oder neue Prozesse werden nicht genutzt?

Ein kurzes Gespräch klärt, an welcher ADKAR-Stufe es hängt und ob eine Change-Managerin wie Juliane Winterscheid dazukommen sollte.

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